Clemens Heni/Dietrich Dancker (eds.):
Woke Zionism
Vol. 1
August 2026
Abstracts in German
Monty Ott führt Claude Lanzmanns Film „Warum Israel“ aus dem Jahr 1973 sowie die jüngsten Versuche deutscher antiisraelischer Aktivisten, Vorführungen dieses Films bereits vor dem 7. Oktober zu verbieten, als Beispiel für das Versagen der Linken im Umgang mit Antisemitismus und Israelhass an. Er kritisiert aber auch die Zusammenarbeit der israelischen Regierung mit rechtsextremen Politiker*innen und Aktivist*innen im Kampf gegen Antisemitismus.
Dietrich Dancker schreibt über seine persönliche Beziehung zu Israel seit 1985, als er noch Gymnasiast war und an einem Austauschprogramm mit dem Kibbuz Bror Chail teilnahm. Seine linkszionistische Haltung stützt sich eher auf Propheten wie Amos und Jesaja, weniger auf Marx. Wenn er am Ben-Gurion-Flughafen ankommt — sofern dieser überhaupt geöffnet ist, was zum Beispiel im April 2026 während des Iran-Krieges nicht der Fall war —, verspürt er das Bedürfnis, sich im intellektuellen und politischen Sinne „nach links“ zu wenden.
Eva Illouz befasst sich mit der Bedeutung des Kampfes gegen Antisemitismus innerhalb der Linken. Sie geht dabei auch auf Fehler und Verbrechen Israels ein, wie beispielsweise während des jüngsten Gaza-Kriegs — eine Kritik, die für jede Form des linken Zionismus zweifellos unerlässlich ist.
Assaf Sharon analysiert die antizionistischen Klischees in zeitgenössischen linken Kreisen. Er unterstützt den Kampf gegen die anti-palästinensische Politik Israels, ohne das zionistische Projekt als „siedlerkolonialistisch“ darzustellen. Insbesondere kritisiert er die irrationale Vorstellung einer „Ein-Staaten-Lösung“, die weder aus arabischer noch aus jüdischer Perspektive funktionieren würde. Er kritisiert die Leugnung oder Befürwortung islamistischer Ideologie sowie den „moralischen Bankrott“ großer Teile der postkolonialen Theorie und des Aktivismus.
Irit Lahav ist eine Überlebende des 7. Oktober. Sie wurde im Kibbuz Nir Oz geboren und engagierte sich bereits vor dem 7. Oktober in pro-palästinensischen Aktivitäten. In ihrem Gespräch mit uns betont Irit den dramatischen Verlust an Sicherheit und das Gefühl, an genau diesem Tag von den israelischen Behörden im Stich gelassen worden zu sein. Auch bei Veranstaltungen in Deutschland sprach sie über ihr Überleben.
Verena E. Brunschweiger befasst sich mit dem preisgekrönten Buch „Israels Selbstmord“ der italienisch-jüdischen Historikerin Anna Foa und dem aktuellen Antisemitismus in Italien. Foas Kritik an der Leugnung antisemitischer Verbrechen gegen jüdische Frauen geht Hand in Hand mit ihrer Ablehnung der Politik Netanjahus und Israels.
JM Sorrell schreibt über ihre feministische und zionistische Kritik an den üblichen „woken“-Anti-Israel-Aktivist*innen in den USA. Viele Menschen aus der LGBTQ-Bewegung zeigten nach dem 7. Oktober überhaupt kein Mitgefühl für Juden, einschließlich jüdischer Frauen. Viele ignorierten oder leugneten sexuelle Gewalt gegen jüdische Frauen und vertreten nach wie vor eine antizionistische Ideologie. Sie verteidigt den Zionismus gegen diejenigen, die ihn mit dem Rassismus in den USA vergleichen, und fordert uns nachdrücklich auf zu verstehen, dass es bei Israel vor allem um das „Recht auf Selbstbestimmung“ geht.
Evalotta Flöttmann lenkt die Aufmerksamkeit auf den „Wokeismus“ als universelles Konzept. Neben dem Verständnis der Shoah als moralischer Maßstab bildet dies den Hintergrund, vor dem der Verlust an uneingeschränktem Mitgefühl im heutigen Wokeismus betrachtet werden sollte. Sie verdeutlicht diese Entwicklung anhand des offensichtlichen Mangels an Mitgefühl für die jüdischen Opfer sexueller Gewalt am 7. Oktober.
Daniel Goldman vertritt die Perspektive des religiösen Zionismus. Er beschreibt dessen Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert. In jüngster Zeit kam es in Israel zu einer Radikalisierung im religiösen Zionismus, der für Goldman häufig weder religiös noch zionistisch ist. Schockiert konstatiert er, dass es in diesen Kreisen aktuell sogar zu einer Rhetorik gekommen ist, die auf die Auslöschung der Palästinenser oder alles Palästinensischen zielt. Gleichzeitig, so argumentiert Goldman, komme dem religiösen Zionismus eine Rolle bei der Heilung der israelischen Demokratie zu.
Ulrich Gutmair porträtiert Hamza Howidy, einen palästinensischen Aktivisten aus dem Gazastreifen, der aktuell in Deutschland lebt und der sich gegen die Herrschaft der Hamas wendet. Er betont die pro-israelische Position von Hamza Howidy, dessen Stimme für einen arabischen Diskurs über palästinensische Selbstbestimmung bei gleichzeitiger Akzeptanz von Israel von großer Bedeutung sein kann.
Ivor Chipkin vertritt eine pro-israelische, aber nicht-zionistische Sichtweise auf den Antizionismus und dessen Wurzeln. Er sieht den Antisemitismus als untrennbaren Bestandteil des Antizionismus und betrachtet dies als Herausforderung nicht nur für das israelische Judentum, sondern auch für die Diaspora.
Clemens Heni sieht den woken Zionismus als ein probates Mittel, um den früheren guten Ruf des Zionismus zu retten. Dies steht in krassem Gegensatz zur derzeitigen rechtsextremen Regierungspolitik wie der politischen Kultur in Israel, die Teil eines globalen autoritären, rechten, kapitalistischen und patriarchalen „Kriegs gegen Woke“ ist. Er sieht eine Verbindung zwischen dem traditionellen jüdischen Konzept von „Tikkun Olam“ und dem woken Zionismus.
Liebe Leserinnen und Leser, Freundinnen und Freunde,
die aktuellen Entwicklungen in Israel zeigen einen tief verwurzelten Rassismus, der mit der ursprünglichen Idee des Zionismus nichts mehr zu tun hat. Der Journalist Ben Samuels hat das in der Haaretz vor wenigen Tagen angesichts einer verkürzten Stellungnahme des American Jewish Committe aus den USA bezüglich der jüngsten Äußerungen des Faschos und israelischen Ministers für nationale Sicherheit Ben Gvir auf den Punkt gebracht:
They cannot, however, dismiss every ugly manifestation of Israeli politics as somehow beyond the realities of Israel itself. We are long past the point when insisting that Ben-Gvir tells us nothing about the government amounts to a defense of Israel. Increasingly, it looks more like a refusal to actually look at what Israel has become.
Das macht die Publikation Woke Zionism umso notwendiger und aktueller!
Also: unser neues Buch ist ab sofort lieferbar:
Clemens Heni/Dietrich Dancker (eds.):
Woke Zionism
Vol. 1
186 pages |20 € | Paperback with flaps | 17 x 24 cm | Bibliography | Index |
| About the authors and editors | Abstracts in German |
ISBN 978-3-946193-46-3 (Print)
ISBN 978-3-946193-47-0 (E-Book)
The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA) / Middle East Studies, Vol. 8, Studien zum Nahen Osten, Band 8
Das Buch ist in jedem Buchladen bestellbar.
Oder aber direkt in unserem Shop.
Oder als gedrucktes Buch sowie als E-Book via Amazon.
AUTHORS IN THIS VOLUME:
VERENA E. BRUNSCHWEIGER
IVOR CHIPKIN
DIETRICH DANCKER
EVALOTTA FLÖTTMANN
DANIEL GOLDMAN
ULRICH GUTMAIR
CLEMENS HENI
EVA ILLOUZ
IRIT LAHAV
MONTY OTT
ASSAF SHARON
J.M.SORRELL
EINAT WILF





